Basis an Kanzlerin


Doch – es hat ihn tatsächlich gegeben. Den Anruf der lokalen CDU-Basis bei der Kanzlerin in dem historischen Gesprächstermin vom 28. Mai 2013. Der Rinkeroder CDU-Vorsitzende Reinhard Pöhler nutzte die Gelegenheit, um vor allem das Thema Fracking anzusprechen. Als Ergebnis des Gespräches über die umstrittene Gasfördermethode gab Pöhler zu Protokoll:

Angela Merkel hat klar geäußert, dass keinerlei Gefahren für die Umwelt entstehen dürfen. Der ursprünglich für Mai vorgesehene Regierungsentwurf ist dank vieler Interventionen vom Tisch

Also doch kein Fracking im Münsterland? So ganz klar bleibt das bei genauerer Betrachtung dann doch nicht mehr, wird doch die Kanzlerin in anderen Medien folgendermaßen wiedergegeben:

Solange bei der Methode Chemikalien verwendet würden, „müssen wir mit äußerster Vorsicht vorgehen“.

Das ist ja auch mal eine positive Nachricht, dass man in Deutschland bei der Verwendung von giftigen, krebserregenden  und tödlichen Substanzen mit äußerster Vorsicht vorgehen soll. Mit dieser Kanzlerinnen-Aussage verbessert sich die  Sicherheitslage in Deutschland geradezu schlagartig. Die Sicherheitsbeauftragten der großen Chemiekonzerne werden nun wohl ihre bisherige Praxis völlig umstellen müssen.

Und die zweite Konsequenz aus diesem Satz der Kanzlerin: Sollten keine Chemikalien bei der Methode eingesetzt werden, kann man natürlich bedenkenlos zur Gasförderung im Münsterland schreiten. Ob da nun kilometerlange Pipelines die Landschaft zerschneiden, Quadratkilometer von Acker- und Naturschutzland unter Beton und Asphalt verschwinden oder die Klimabilanz des gefrackten Energieträgers ähnlich katastrophal ist wie bei der Steinkohle spielt dann keine Rolle mehr.

Und weil man für diese Art der Naturzerstörung und Ressourcenverschwendung einen schönen Namen braucht, wird dieses Verfahren kurzerhand ‚Green Fracking‘ genannt. Das kann man vergleichen mit dem Blue-Efficiency-SUV von Mercedes: Versprochen wird einem ein energiesparendes Auto. Was man erhält ist eine grün-blau-lackierte Dreckschleuder.

Denn entscheidend ist, was hinten raus kommt! Gilt auch beim Fracking. Und dort kommt auf jeden Fall eine Menge Lagerstättenwasser versetzt mit hochgiftigen und radioaktiven Substanzen aus der Erde. Und wie entsorgt man das ganze?

Dazu haben pfiffige Journalisten in Niedersachsen recherchiert und herausgefunden:

Rund 3,45 Millionen Kubikmeter Abwasser aus der Erdgasförderung sind bis Dezember 2012 im Landkreis Rotenburg ins Erdreich gepumpt worden. Das sind 3,45 Milliarden Liter – eine unvorstellbare Menge, die jeden Tag größer wird. Zum Vergleich: In eine Badewanne passen 200 Liter.

Wie ist so etwas möglich? Wie kann es sein , dass Mitten in Deutschland Industrieabfälle einfach ins Erdreich verklappt werden. Bestimmt weiß niemand, was da drin ist. Doch leider Fehlanzeige – die Zusammensetzung ist bekannt:

Der Kreistagsabgeordnete und Chemiker Manfred Damberg hat sich die offiziellen Zahlen angesehen, die das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie für eine Bohrstelle in Söhlingen ermittelt hat, und schlägt Alarm: Die Benzol-Konzentration liegt etwa 13000 Mal über dem Trinkwassergrenzwert. Bei hochgiftigen „polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen“ wie Naphthalin liegt die Konzentration sogar 16700 Mal über dem Grenzwert. Hinzu kommen noch Fluoren, Phenantren, Pyren, Benz(a)anthracen, Crysen und andere, die die Giftigkeit weiter erhöhen. Das noch problematischere Benz(a)pyren überschreitet den Trinkwassergrenzwert um das 500-fache.

Aber dann muss das Unternehmen doch illegal vorgehen! Muss da nicht die Staatsanwaltschaft einschreiten und diese massive Vergiftung der Umwelt unterbinden? Doch leider Fehlanzeige – das Verklappen von Giftmüll in Deutschland ist legal und genehmigt:

Bei der Versenkung des Lagerstättenwassers liege keine Straftat vor, sagt das Bergamt auf Anfrage unserer Zeitung. Die Versenkung sei ja durch die Bergbehörde genehmigt und stelle schon allein deshalb kein unbefugtes Handeln dar.

Fazit: Wenn in Deutschland ein SUV von Mercedes das Umweltzertifikat des TÜV Süd erhält, darf einen die Genehmigung für die Verklappung hochtoxischen Industriemülls nicht verwunden  Wenn die Kanzlerin einen äußerst vorsichtigen Umgang mit gefährlichen Chemikalien beim Fracking anmahnt, können wir uns im Münsterland schon mal auf die Bohrtürme einstellen.

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