Bildung und Demokratie


Nichts motiviert so stark zur Stimmabgabe wie das persönliche Umfeld.

Ein einfacher Satz, der als Überschrift über einer Pressemitteilung der Bertelsmann-Stiftung zu lesen ist. In dem Artikel werden die Ergebnisse der neuen Studie ‚Politische Partizipation und Zufriedenheit mit der Politik‘ zusammengefasst.

Nicht ohne Hintergedanken hat die Pressestelle der Stiftung ausgerechnet dieses Ergebnis als ‚Eye-Catcher‘ auf der Web-Seite ausgewählt. Man muss dies ausdrücklich als Handlungsaufforderung aus Gütersloh begreifen, mahnen doch die Ostwestfalen bereits seit Jahren ein stärkeres politisches Engagement der Gesellschaft an.

Das Autorenkollektiv Klaus Wallenstein unterstützt diese Forderung nicht nur – es kommt dieser in diesem Blog auch ausdrücklich nach!

Und wir geben diese Aufforderung gerne an alle Leserinnen und Leser weiter: Mischen Sie sich ein und reden Sie über Politik! Wie in jeder schlechten Beziehung kommt erst die Sprachlosigkeit und dann die Trennung. Noch kann der Gang zum Demokratie-Therapeuten verhindert werden, wenn wir alle daran mitarbeiten.

Denn die Bertelsmann-Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach erstellt wurde, hat durchaus positives zu berichten:

  • 2003 äußerten sich lediglich 47 Prozent der Ost-Bürger zufrieden, inzwischen tun dies 74 Prozent (West: von 72 auf 84).
  • Lediglich elf Prozent der Bundesbürger geben an, mit der Demokratie unzufrieden zu sein. Zehn Jahre zuvor sagten das noch nahezu drei Mal so viele (29 Prozent).
  • Lediglich 24 Prozent finden aktuell, die Parteien seien im Grunde alle gleich. Zu Beginn der 90er Jahre sagten das noch 31 Prozent.

Doch auch das Problem der geringer werdenden Wahlbeteiligung wird von den Machern der Studie präzise angesprochen:

Ob jemand wählt, hängt davon ab, wo man wohnt, welche Freunde man hat, und ob in der Familie über Politik gesprochen wurde. Der typische Nichtwähler sieht Wählen nicht als Bürgerpflicht, wohnt in sozialen Brennpunkten, ist jung und so unpolitisch wie sein Umfeld. Die protestierende „Partei der Nichtwähler“ ist ein Mythos: Nicht Demokratieverdrossenheit, sondern politische Gleichgültigkeit erklärt, warum sich einkommens- und bildungsschwache Schichten weniger beteiligen. Deutschland wird zu einer sozial gespaltenen Demokratie.

Der typische Nichtwähler ist demnach laut Studie Geringverdiener, bildungsschwach, wohnt häufig in sozialen Brennpunkten und ist nach gängigen sozio-ökonomischen Kriterien Angehöriger der sogenannten Unterschicht. Mit dieser Erkenntnis wären wir wieder bei den Anfängen der Demokratie in Deutschland angekommen.

Vor 150 Jahren sah die frisch gegründete SPD (damals noch ‚Arbeiterverein‘) eine der wesentlichen Aufgaben darin, die ungebildeten Massen an Arbeiterinnen und Arbeitern weiterzubilden und sie damit zu befähigen, an Gesellschaft und Demokratie teil zu haben. Heute gilt es zu verhindern, dass aus der Demokratie ein Eliteprojekt wird.

Und wieder ist Bildung der Hebel, mit dem das Problem gewuppt werden muss. Glücklicherweise sitzt die SPD längst in Regierungsverantwortung und sollte sich – zusammen mit Grünen und DER LINKEN – wieder an die Wurzeln des linken Bildungsprojektes erinnern. Es gilt jetzt, den Predigern der Elite-Bildung entschlossen entgegen zu treten. Ein forderndes und förderndes Bildungssystem muss dem Selektionssystem, welches gesellschaftliche Grenzen betoniert, entgegen gesetzt werden.

In Drensteinfurt sind wir in der glücklichen Lage, dass im Stadtrat von SPD und Grünen zusammen mit der CDU über den Tag und den eigenen Tellerrand hinaus gedacht wurde. Die Teamschule ist nicht nur eine zukunftsfähige Schule, sie macht auch die Demokratie zukunftsfähig – weil hier moderne Lehrkonzepte für alle Abschlüsse im gemeinsamen Lernen umgesetzt werden können.

Gute Demokraten – gute Schulen. Gute Schulen – gute Demokraten.

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