Wer kann Wahlkampf?


Der magische Zeitraum von hundert Tagen ist unterschritten und der Tag der Abstimmung droht bereits am Horizont. Zeit, sich der entscheidenden Frage für die nächsten 97 Tage zu widmen:

Wer kann Wahlkampf?

Auch am vergangenen Wochenende haben sich die Ereignisse derart überschlagen, dass einem um die Untertanen-Ruhe in Deutschland Angst und Bange werden könnte. Von dem SPD-Parteikonvent in Berlin berichtete DIE ZEIT sogar, dass der Vorsitzende seine Partei zum Abschluss auf Wahlkampfmodus einstimmte. Fragt sich nur, ob die alte Dame diesen Schock unbeschadet überstehen wird.

Aber nun zu den Fakten im einzelnen.

CDU: Merkel statt Wahlkampf

Die Stärke der CDU ist Angela Merkel. Die Schwäche der CDU ist Angela Merkel. Damit ist eigentlich schon alles gesagt und das Ergebnis der Wahl bereits vorweg genommen. Wäre da nicht der Anflug von Programm, der von einer eingeschworenen Kamarilla um die Kanzlerin in Arbeit ist.

„Das hatte in der Partei für Unmut gesorgt. Schließlich soll das Programm bereits am Sonntag von den Vorständen von CDU und CSU beschlossen werden. Ein Parteitag ist nicht vorgesehen.“
Süddeutsche.de

Interessieren wird dieses Programm niemanden, ist doch allen klar, dass nichts davon umgesetzt wird außer das, was nicht erwähnt ist. Und im Zweifel wird das Bundesverfassungsgericht dafür sorgen, dass Deutschland durch Merkel nicht zur demokratiebefreiten Zone reift.

Auf diese Art und Weise haben sich die Unions-Schwestern von veralteten konservativen Volksparteien zu wertentkernten Volkspartei entwickelt. Dieser Trend wird sich bis zur Wahl und darüber hinaus auch in der nächsten Legislaturperiode fortsetzen. Die Wählerinnen und Wähler danken es der Kanzlerin mit ungebrochener Zustimmung.

SPD: Scheitern an der Frauenfrage

Demokratietheoretisch haben die Genossinnen und Genossen eigentlich alles richtig gemacht: Programm zusammengestellt und vom Parteitag verabschiedet, Kandidaten gekürt, Geschlossenheit gesucht. Doch wieder einmal kam alles ganz anders, als es im Willy-Brandt-Haus geplant war. Und dieses Desaster muss hier nicht mehr kommentiert werden!

Wer wissen will, wo der Urfehler der SPD in diesem Wahlkampf zu finden ist, dem sei die Berichterstattung über Peer Steinbrücks Frau Gertrud empfohlen. Dabei wird rasch deutlich, was der SPD im Moment am meisten fehlt: Eine Person, die nicht die Oberarmmuskeln sondern das Herz der Partei anspricht.

Hannelore Kraft wäre diese Person gewesen. Doch eben weil die Genossin sich einen erstaunlichen Rest an Glaubwürdigkeit trotz ihres hohen Amtes bewahrt hat, konnte sie ihrem Parteivorsitzenden nur eine Absage erteilen. Und nun kämpft eben der Oberarm. Und auch die Tränen auf dem Konvent in Berlin sehen nicht nach einer Kehrtwende aus.

Bündnis 90 / Die Grünen: Vom Erfolg aufgefressen

Demokratietheoretisch haben die Ökos alles richtig gemacht. Wer das noch in Frage stellt, der lese erst hier und ansonsten bitte hier nicht mehr weiter: Direkte Demokratie bis der Arzt kommt. Oder das Wahlvolk.

Wer die Grünen als eine Partei betrachtet, wird diesen Haufen nie verstehen, insbesondere nicht den Genuss, mit dem die Partei immer wieder mit Vollgas gegen die Wand fährt: Wie war das mit dem Dosenpfand, dem Raucherschutz und den 5 Mark für den Liter Sprit? Der Zeitung mit dem Ekelschlagzeilen trieft davon noch heute das Blut von den Reißzähnen.

Die Grünen sind demokratische Avantgarde. Dummerweise handelt es sich bei den Wählerinnen und Wählern am 22. September vorwiegend um Menschen ohne Migrationshintergrund mit deutscher Abstammung. Da passt etwas nicht zusammen – wer wüsste das besser als die Kanzlerin.

Und so ist auch diesmal wieder ein gescheiterter Wahlkampf in Sicht – auch wenn mach verschlafener Ortsverband sich bereits anstrengungslos in eine rot-grüne Koalitionsregierung einziehen sieht. Doch wer fragt schon in zehn Jahren nach einem verlorenen Wahlkampf, wenn die Tanksäule 2,50 € anzeigt?

FDP: Dinner for No One

Die FDP ist das Bärenfell in diesem Wahlkampf: Niemand will sie und immer liegt sie nutzlos im Wege (Hotelierssteuer!). Die Schlagzeile dieser Partei am Wochenende: Brüderle brach sich Bein und Arm bei einem Sturz und liegt nun neben obigem Bärenfell.

Die Existenzberechtigung der FDP wird gespeist aus ihrem Dasein als Running Gag in einer Satire-Sendung. Sie wird die magische Fünf-Prozent-Hürde meistern – ohne Arme, ohne Beine!

Die Piraten: Welche Piraten?

Es gibt sie – noch. Doch wozu? Niemand kann diese Frage beantworten. Und am Ende bleiben von dieser Partei zwei Prozent, Schlägereien mit LAN-Kabel und Twitter-Nachrichten über gerissene Kondome.

Das Autorenkollektiv Klaus Wallenstein bekennt sich an dieser Stelle ausdrücklich zu dem hervorragenden Spielfilm ‚Der rote Korsar‘ und erteilt allen Modernisierungsversuchen des Piratendaseins eine klare Absage.

Die Linke: Der Teufel in der Partei

Wäre als Sekte eindeutig die satanische unter den hier gelisteten Parteien. Nicht nur wegen ihrer latenten Unfähigkeit, sich über Kompromisse politikfähig und verantwortungsbewusst zu zeigen. Der Hass auf die SPD macht die ganz roten Genossinnen und Genossen reif für den Psychiater, aber nicht fähig, das Land nachhaltig, gerecht und in Frieden und Freiheit weiter zu entwickeln. Aber  vielleicht kann hier auch nur noch der Papst mit seinen profunden Exorzismus-Kenntnissen helfen. Hoffnung dürfte aufkeimen, sollten sich Teile der Führung der Linken aus Berlin und dem Saarland auf den Weg nach Rom machen.

Fazit: Alles ist …

… ja was? Möglich, katastrophal, egal? Für die experimentierfreudigen unter den Wählerinnen und Wählern wäre Schwarz-Grün natürlich am spannendsten. Die große Koalition hatten wir schon, ist jetzt aus und kommt hoffentlich auch nicht wieder rein. Der FDP sollte man am 23. September zu einem weiteren Schritt in die Bedeutungslosigkeit gratulieren.

Aber das werden Sie ja entscheiden.

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