Love, CDU and Ecstasy


Vor einigen Jahren lief die Love Parade durch Berlin unter dem Motto ‚Friede, Freude, Eierkuchen‚ (Ja – tatsächlich, es gibt einen Wiki-Eintrag zu diesem Thema). Es musste damals ein Motto gewählt werde, dass einen politischen Bezug hatte, da die Veranstalter eine Genehmigung nur für eine politische Veranstaltung erhalten konnten. Und so kam es zu ‚Friede, Freude, Eierkuchen‘.

Die kritische Leserin mag sich an dieser Stelle nun fragen, was dieses Motto denn mit Politik zu tun hat. Bei der Antwort hilft ein Blick in das Parteiprogramm der CDU. Dort wird den Wählerinnen und Wählern ein Wohlfühlpaket ohne Verbindlichkeit angeboten, dass niemandem weh tun soll und jedem Glückseligkeit verspricht. Doch manchmal wissen die Unions-Chefs selber nicht mehr, was dort in einem wahren Schaffensrausch verkündet wurde.

Beispiel Vorratsdatenspeicherung: Da verkündet Seehofer aus Bayern, dass man das ganze nochmals überdenken müsse. Und im Wahlprogramm taucht das Wort auch gar nicht mehr auf. Doch keine Stunde später melden sich die Sicherheitsexperten der CDU und teilen mit, dass man natürlich auch weiterhin die Daten aller Bürgerinnen und Bürgern vorratsmäßig gespeichert würde. Nur hieße das jetzt nicht mehr ‚Vorratsdatenspeicherung‘, weil der Begriff so negativ klänge.

Und so ziehen die Union-Schwestern mit ihrem Polit-Van durch die Lande, machen höllischen Lärm, werfen Beruhigungspillen ins Publikum und erfreuen sich an der durchschlagenden Wirkung der verteilen Politopharmaka. Leider ist es dabei auch zu geistigen Kollateralschäden gekommen, wie das Interview von DJane Marusha in der Welt zeigt:

Marusha: Ich wähle Angela Merkel.

Die Bausparermentalität, wie sie Angela Merkel an den Tag legt, ist die Kultur unserer Wertegesellschaft.

Die Welt: Und wenn Merkel in der SPD wäre?

Marusha: Dann würde ich SPD wählen. Angela Merkel verrichtet ihren Dienst mit beispielloser Leidenschaft für unser Land und unsere Gesellschaft. Sie ist jeden Tag woanders, sie ist nie krank, sie kommt mit allen klar. Das ist modern.

Wir wissen leider nicht, wo Marusha sich zur Zeit im Entzug befindet, aber der schwarze Polit-Van der Union zieht weiter seine Bahnen durch Deutschland. Letzte Woche machte er halt in Drensteinfurt – Eierkuchen-Thema war dabei ‚Fracking‘. Bürgermeister Paul Berlage, CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Heinz Töns und CDU-MdB Reinhold Sendker verkündeten das ‚Nein‘ der CDU zu der umstrittenen Gasförder-Technologie.

Dass die CDU mit Herrn Sendker bereits mehrere Verbotsanträge im Bundestag abgelehnt hat – FRIEDE! Dass Bundesumweltminister Altmaier eine Gesetzesvorlage in der Schublade hat, welches Fracking im Münsterland ermöglichen würde – FREUDE! Dass der CDU ein Plan fehlt, wie Deutschland mittelfristig auf das Verbrennen von Gas, Kohle und Öl verzichten könnte – EIERKUCHEN!

Ganz benebelt von dem ungehemmten Drogengenuss sank das beschauliche Münsterlandstädtchen anschließend in einen tiefen politischen Schlummer und wird erst nach der Wahl wieder aufwachen – wenn die Party vorbei und der Rausch verflogen ist. Dann dröhnt der Schädel und es erschallt das Gejammer: ‚Wir haben das nicht gewollt‘.

Eine letzte Anmerkung: Der nachhaltigste Beitrage der Techno-Kultur zur Gesellschaft in Deutschland ist die Verschärfung von Sicherheitsregeln für Großveranstaltungen infolge der Katastrophe in Duisburg. Mitverantwortlich an dem Desaster: Politiker, die ihre persönliche Karriere höher bewerteten als die Sicherheit der Menschen, die sie gewählt haben!

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