Aliens für Deutschland


Auch zu dieser Wahl präsentieren die Westfälischen Nachrichten alle Direktkandidaten für den Bundestag im Rahmen einer Interview-Reihe. In dieser Woche wurden die Stellungnahmen von Christian Blex von der Alternative für Deutschland AfD veröffentlicht. Und wer bis heute noch der Meinung ist, auch dieser Wahlkampf bringe keine neuen Erkenntnisse über Parteien und Politiker, den könnte die Lektüre dieses hochinteressanten Gesprächs eines Besseren belehren. Denn beim Lesen wird rasch klar, dass die AfD und deren Politiker die Pausenclowns rechts von der Mitte geben – zur Unterhaltung des Wahlvolks, dass sich im Moment ja eher gelangweilt von der Wahl abwendet.

Der unfreiwillige Blexsche Humor entfaltet sich schon nach den ersten Wortwechseln, so dass auch der ungeübte Politikerphrasenentschlüssler auf kurzem Weg Freude am Lesen empfindet. Denn beklagt sich Blex am Anfang noch darüber, dass die Menschen sich von den Parteien im Stich gelassen fühlen, folgt daran die Aussage, dass ihm die Diskussion um Fracking auf die Nerven gehe:

Am meisten geärgert hat mich, dass so getan wird, als wäre Fracking das größte Problem Deutschlands und die eigentlichen Probleme verschwiegen werden.

Leider bleibt es Blex Geheimnis, was die eigentlichen Probleme sind – beim Fracking und überhaupt. Doch festzuhalten bleibt, dass sich Millionen Wählerinnen und Wähler schon jetzt von der AfD im Stich gelassen fühlen dürfen, bevor diese Gruppe überhaupt ein Mandat im Bundestag errungen hat. Respekt für diese Leistung – das hat noch nicht einmal die FDP geschafft.

Schade auch, dass außer ‚Alternativlosigkeit‘ kein weiterer Grund für das Kreuzchen bei der AfD geliefert wird. Dieser Punkt aus dem Programm der Jungpartei ist durch die Merkel-Union ja bereits kompetent besetzt.

Der anschließende Ausflug in die Wirtschaftspolitik rutsch leicht ins esoterisch ab – es geht um den Mindestlohn. Hier ist die Kernaussage ‚keine Meinung‘ nun von einer anderen Jungpartei wesentlich besser besetzt, und man befürchtet schon einen Mangel an Alleinstellungsmerkmalen wie bei der SPD. Der Lösungsvorschlag hat es allerdings in sich und soll hier genauer betrachtet werden:

Dass wir heute ein Problem mit dem Mindestlohn haben, ist eine Folge des Euros. Dieser ist für Deutschland etwa 20 Prozent zu niedrig bewertet. Die Deutschen verkaufen somit ihre Arbeit unter Wert.

Vielleicht hat sich das noch nicht bis zu den Wahlkämpfern der AfD herumgesprochen: Deutschlands Wohlstand hat seine Grundlagen im Export, d.h. beim Verkauf von hier hergestellten Waren oder erbrachten Dienstleistungen ins Ausland. Sollte es also eine Aufwertung von 20 Prozent geben, würden Waren und Dienstleistungen entsprechend teurer. Würde gar der Euro geknackt, wären deutsche Waren für unsere Haupthandelspartner auf einen Schlag nicht mehr erschwinglich. Dann wäre auch das Mindestlohn-Problem gelöst – Dank hoher Arbeitslosigkeit und Hartz IV.

Zum Schluss geht es nochmals um Energiepolitik, wobei sich Blex als Fan von Kohle, Gas und Atom zu erkennen gibt. Die Frage, ob der AfD-Direktkandidat bei Exxon bereits einen Bohrturm bestellt hat, konnte leider nicht geklärt werden. Sicher darf davon ausgegangen werden, dass bei einem Einzug von Blex in den Bundestag ganz Deutschland vom Kreis Warendorf aus mit Glühbirnen versorgt werden könnte – wenn es sein muss auch bis die Polkappen abgeschmolzen sind.

Fazit:
Christian Blex als Direktkandidat für die Alternative für Deutschland AfD hat sich als Politiker mit hoher Humorqualität und echtem HeuteShow-Potential positioniert. Da werden sich die anderen Kandidaten schwer tun, diese Leistung zu toppen! Obwohl – sollte Alexander Ringbeck (Bündnis 90 / Die Grünen) nach dem VeggieDay nun auch noch einen freiwilligen PerPedesTag fordern, könnte er einen Orkan in den deutschen Medien auslösen.

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