Besserwisser auf Fleischentzug


Wenn Alexander Ringbeck – der Direktkandidat für Bündnis 90 / Die Grünen im Kreis Warendorf – für die WN unrasiert in die Kamera lächelt, ist der Bart die letzte Reminiszenz an Straßenkampf und linkes Revoluzzertum. Heimlich hat sich das Autorenkollektiv auf einen Hammer wie den ‚Veggi-Day‘ gefreut, doch leider sind die barttragende Studenten mit karierten Hemden und Jeans schon längst im Bürgertum angekommen.

Die Aussagen gegen Nazis und Fracking, für den Mindeslohn, den Atomausstieg und zur Merkellei bei der Energiewende- dies alles strahlt eine heimelige Bürgerlichkeit aus, die einen breiten Platz in der Mitte der Gesellschaft einnehmen könnte. Auch die Forderung nach einem maßvollen Verkehrsprojekt ‚B 64‘ verschreckt nur noch Brüderle-Hooligans.

Doch wenn es auf einen Wahltermin zugeht, schrumpfen die hohen Zuspruchswerte rasch wieder zusammen und die Grünen werden wieder auf ihre Kernwählerschaft zurück geworfen. Diese wächst zwar stetig wie die Anzahl der Parteimitglieder – was einzigartig in der deutschen Parteienlandschaft ist. Doch leider schlägt dieses Wachstum sich nicht in den entsprechenden Prozentpunkten an der Wahlurne nieder.

Auch bei der kommenden Bundestagswahl werden die Grünen weit hinter der SPD zurück liegen und sich gegen eine wieder erstarkte Partei Die Linke behaupten müssen. Dabei hat man in der aktuellen Kampagne fast alles richtig gemacht:

  • Das Steuerkonzept ist so gut, dass sich die FDP dagegen nur mit Lügen wehren kann.
  • Die Fehler bei Hartz IV wurden erkannt und deren Beseitigung wird zum großem Gerechtigkeits-Thema ausgebaut.
  • In den Fachgebieten Bildung und Landwirtschaft haben die Grünen längst die Meinungsführerschaft derart übernommen, dass bereits die CDU anfängt, die erfolgreichen Konzepte (mangelhaft!) zu kopieren.

Darüber hinaus hat die Gesellschaft die Ideen und Visionen der Öko-Partei derart aufgesogen, dass sie unser Land und die Menschen wesentlich prägen. Beispielhaft seien hier die Gleichberechtigung von Männer und Frauen sowie der Umgang mit Homosexualität genannt – von Atomausstieg und Energiewende ganz zu schweigen.

Doch genau diese Erfolge – von denen eine ‚Gurkentruppe‘ wie die FDP nur träumen kann – sind auch das Problem der Grünen. Die Ökos tun alles, um als Streber, Besserwisser und Klugscheißer ‚rüber zu kommen. Immer haben sie recht – bei Atomenergie, Ozonloch, Klimawandel, Massentierhaltung, Fleischverzicht und Benzinpreisen. Aber schon auf dem Schulhof wurden die Klassenstreber mit den Glasbausteinen in der Brille mit Verachtung bestraft. Klar – abgeschrieben haben wir von diesen Langweilern und Miesepetern immer gerne. Aber als Kumpel oder gar Freund / Freundin – no way! Das ging gar nicht.

Und so zog man immer wieder mit den dumpfbackigen Kraftmeiern herum, deren Mofas frisiert waren, die immer irgendwie illegal an Alkohol und Zigaretten kamen und die die Frösche mit dem Brennglas gequält hatten. Das Wahlergebnis am 22. September ist die Fortsetzung diese Peer-Group-Verhaltens an der Wahlurne.

Fazit: Recht haben und nett zu Tieren sein reicht nicht aus, um an die Regierung zu kommen. Es fehlt den Grünen eine gehörige Portion ‚Mut zur schmutzigen Attacke‘, die sich der FC Schalke mit dem Transfer von Kevin Prince Boateng eingekauft hat. Mit solchen Alpha-Tieren kann man dann auch mal einen scheinbar überlegenen Gegner schlagen. Abgelegt zur Wiedervorlage in vier Jahren!

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Drensteinfurt - Kreis Warendorf veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.