Klassenkampf jetzt, Genossen!


Das Problem der Genossen in diesem Bundestagswahlkampf ist auch im WN-Interview des SPD-Direktkandidaten Bernhard Daldrup für den Kreis Warendorf augenfällig. Auf die Frage ‚Welches parteipolitische Gezanke ist Ihnen besonders auf die Nerven gegangen?‚ hätte man eine Menge inhaltlicher Punkte anbringen können – Energiewende, NSA-Affäre, Drohnen-Desaster, Betreuungsgeld und Fracking. Doch statt eines inhaltlichen Statements beklagt sich Daldrup über die ‚unfaire Behandlung‘ von Peer Steinbrück.

Das wirkt nicht nur lamorjant – da springt den Leserinnen und Lesern die Wehleidigkeit des Genossen ins Gesicht. Und auch wenn Daldrup einige Antworten später die Situation zu retten versucht mit der Aussage, dass er keine Mimose wäre, bleibt der Eindruck des jammernden Sozis haften. Ähnliches könnte man sich bei der CDU mit der ‚eisernen Kanzlerin‘ Merkel, die Wahlweise als ‚Mutti‘ oder ‚Nazi-Herrenreiterin‘ verspottet wird, nicht mal im Traum vorstellen.

Wenn man die 150jährige Geschichte der SPD Revue passieren lässt, dann lässt sich bilanzieren: Nicht die netten Kerle haben Parteigeschichte geschrieben und Deutschland maßgeblich geprägt (man denke nur an Herbert ‚die Peitsche‘ Wehner), sondern Personen, die sich mit vollem persönlichen Einsatz für Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie einsetzen. Zwar verstaubt August Bebel, die ‚Eisernen Front‘ und Otto Wels längst im Geschichtsbuch, doch warum ist von deren Geist heute so wenig in der SPD zu spüren?

Es wird Zeit, dass sich die SPD endlich von der latenten Angst befreit, schlechte Patrioten zu sein. Was kann patriotischer sein, als sich für gleiche und gerechte Bezahlung, für ein Leben in Würde, für gerechte Bildungschancen und ein gerechtes Gesundheitssystem einzusetzen? Hier muss die SPD niemand mehr etwas beweisen, schon gar nicht einer ‚Gurkentruppe‘-Regierung, die an kleinsten Reformen scheitert und die Gesellschaft spaltet.

Wie es anders hätte laufen können, malt Jakob Augstein sehr plastisch aus:

Die SPD hätte die Warnungen der Spindoktoren in den Wind schlagen sollen. Sie hätte einen mutigen Wahlkampf führen sollen. Sie hätte Merkel dort schlagen können, wo sie schwach ist: bei der Überzeugung, bei der Begeisterung, bei der Sehnsucht – beim Gefühl. Sigmar Gabriel und Hannelore Kraft, Jürgen Trittin und Claudia Roth hätten für ein rot-grünes Bündnis der Veränderung in einen Wahlkampf ziehen sollen, der diesen Namen auch verdient.

Bernhard Daldrup ist sozialdemokratisches Urgestein im besten Sinnen dieses Begriffes. Doch wenn es selbst diesem politischen Fahrensmann an dem nötigen ‚linken Furor‘ gegen eine dahinmodernde Merkel-Republik mangelt, bleibt die Meisterin der dunklen Macht an der Regierung.

Fazit: Der SPD fehlt es an Willen und Biss, dieses Land auf den Weg der Gerechtigkeit und Verantwortung zurück zu führen. Sie will den Kampf gegen die Klasse der Egoisten und Ausbeuter nicht konsequent führen. Und damit droht das Projekt eines ‚Wandels durch Wahlen‘ vorerst zu scheitern.

 

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