Wahlkampf auf Augenhöhe?


Mit der Freischaltung der Website und der Vorstellung des Wahlprogramms des Bürgermeister-Kandidaten Carsten Grawunder hat nun die heiße Phase des Kommunalwahlkampfs in Drensteinfurt begonnen. Doch nicht nur die Frage, ob der Bürgermeister Paul Berlage sich gegen den Herausforderer durchsetzen kann, verspricht Spannung. Auch die Ablösung der CDU als Alleinherrscherin im Stadtrat scheint möglich. Wer sich zur Einleitung die Ergebnisse der letzten Wahl nochmals anschauen möchte, der wird hier und hier fündig.

Doch genug der Vorrede – jetzt geht es in medias res.

Kampf ums Rathaus

Mit Carsten Grawunder hat die SPD es tatsächlich geschafft, eine Person aus dem Hut zu zaubern, der keineswegs als Zählkandidat unterschätzt werden darf. Mit diesem Coup ist es den Genossen immerhin gelungen, die Wiederwahl-Termin-Volte von Berlage zu kontern. Der Amtsinhaber konnte sicher nicht damit rechnen, dass nach seiner überraschenden Zustimmung zur Bürgermeisterwahl in diesem Jahr ein Herausforderer bereit stehen würde. Und so scheint seine sichere Wiederwahl nun nicht mehr so gewiss – und die inhaltliche Auseinandersetzung wird sicher kommen.

Berlage wird schwer zu schlagen sein – denn er hat den ‚guten‘ Stadthaushalt auf seiner Seite. Kassentechnisch gibt es in Drensteinfurt ja bereits seit Jahren bei allen Parteien einen großen Konsens – und auch Grawunder wird ihn auf diesem Feld nicht angreifen können. Doch eben dieser Konsens könnte Grawunder in die Hände spielen – denn wo große Übereinstimmung herrscht, müssen andere Themengebiete zur Unterscheidung herhalten.

Und genau da liegt Grawunders Chance. Die Probleme der Innenstadt und die mangelhafte Transparenz der Stadtverwaltung sind seit Jahren Ärgernisse, die Berlage nicht in den Griff bekommen hat. Auch die bisherigen Angebote zur Bürgerbeteiligung sind offensichtlich keine Herzensangelegenheit des amtierenden Bürgermeisters, sondern eher von der Aussicht auf Landesfördermittel getrieben. Und spätestens mit den Bauproblemen an der Grundschule hat jeder mitbekommen, dass die Drensteinfurter Kneipenpolitik, in der Entscheidungen am Tresen ausgehandelt werden, an ein Ende gekommen ist.

Genau dies könnte sich Grawunder zu nutze machen. Er steht nicht im Klüngelverdacht von Bauernlobby, Gewerbeverband und Schützenverein. Er steht für ein neues und modernes Drensteinfurt, dass für alle Bürgerinnen und Bürger offen ist – auch diejenigen, die nicht mit Wersewasser katholisch getauft wurden.

Unsere Team-Prognose: Es wird knapp – und die Wahl wird über die weichen Faktoren entschieden. Dort ist Grawunder leicht im Vorteil.

Kampf um die Mehrheit

Spätestens mit der Aufstellung des Bürgermeister-Kandidaten Grawunder ist auch dem letzten Drensteinfurter klar geworden: Die SPD ist wieder zurück. Nach der demütigenden Klatsche des dritten Platzes hinter den Grünen musste ein Umbruch stattfinden. Dies haben die Genossen hinter sich gebracht und sind unter Ingo Stude nun wieder auf Erfolgskurs.

Tatsächlich  könnte es diesmal für die CDU und Heinrich Töns eng werden. Denn zur Zeit bestimmen SPD-Politiker den inhaltlichen Diskurs in den Medien – wogegen die CDU nur als Nein-Sagerin und Bewahrerin von Besitzständen in Erscheinung tritt.  Auch vor Ort in Drensteinfurt ist die SPD präsenter als in den letzten Jahren. Die Sehnsucht nach mehr Macht im Stadtrat ist den Genossen auf keinen Fall abzusprechen.

Um an das Ziel ihrer Wünsche zu gelangen, versuchen die Genossen geschickt, ihren Parteien-Wahlkampf mit dem Kampf um das Rathaus zu verknüpfen. Dabei könnte es ihnen sogar gelingen, die offene Flanke ‚Fracking‘ zu schließen. Zwar weigern sich die mitregierenden Sozialdemokraten in Berlin, die unkonventionelle Erdgasförderung zu verbieten über ein neues Bergrecht. Hier könnte die Kommunalwahl in Drensteinfurt, wo der Bohrturm für das Stadtgebiet ja schon in der Startlöchern steht, von der Bevölkerung zu einem Denkzettel an CDU und SPD genutzt werden. Doch mit Grawunder hat die SPD einen Kandidaten gestellt, der durch seine Arbeit für die Bürgerinitiative glaubhaft seinen Widerstand gegen Fracking dokumentiert hat.

Mit Grawunder als Menschenfänger und der Stude-SPD, die unverhohlen zur Attacke bläst, dürfte es auch der siegessicheren Töns-CDU nicht leicht fallen, dagegen zu halten. Erschwerend kommt für die Union hinzu, dass sich die Wähler-Strukturen gewandelt haben. Die Hinterzimmer-Bünde werden immer weniger wichtig im Vergleich zu der Anzahl der Neu-Einwohner, die an Drensteinfurt das Angebot aus Kindergarten, Schule und Verkehrsanschluss schätzen. Diese Menschen können mit einer waschechten Retro-Truppe konservativer Münsterländer weniger anfangen.

Unsere Team-Prognose: Nur bei hoher Wahlbeteiligung und der Mobilisierung von Neu-Bürgern hat die SPD eine Chance, die Mehrheit der CDU zu brechen. Doch mehr als der zweite Platz im Parlament wird auch dieses Mal nicht drin sein. Es wird wohl noch für die CDU reichen.

Kampf um Ossenbeck

Als wäre der Wahlkampf in Drensteinfurt nicht schon spannend genug, bietet der Wahlbezirk 4 – Ossenbeck – noch einen besonderen Nervenkitzel. Hier stellt sich Manfred Kraft als unabhängiger Kandidat zur Wahl – und er hat gute Chancen, sich diesen Direktmandat zu erobern. Für Kraft spricht eigentlich alles: seine kommunalpolitische Erfahrung als ehemaliger CDU-Ratsherr, seine Prominenz in Ossenbeck und darüber hinaus, seine ehrliche Anwaltschaft für die Interessen der Siedlergemeinschaft.

Der Schritt zur Kandidatur ist nur Konsequent und zeigt auch auf, wie sehr Bürgermeister und CDU-Ratsmehrheit den Kontakt zur Bevölkerung verloren haben. Diesen Ärger könnte Kraft nutzen und Stimmen einsammeln, die den anderen Parteien weh tun werden.

Unsere Team-Prognose: Kraft gewinnt. Allein schon, damit mal alle mitbekommen, dass Kommunalwahlen mehr sind als Parteien-Geschacher!

Kampf gegen das Vergessen

Man kann eine falschen Wahlkampf führen und man kann einen schlechten Wahlkampf führen. In beiden Disziplinen sind die Grünen ja Experten, haben die Ökos doch ein gespaltenes Verhältnis zu dieser Art der politischen Auseinandersetzung.

Diese Unfähigkeit, Bürgerinnen und Bürger jenseits der Kernwählerschaft an sich zu binden, scheinen die Drensteinfurter Grünen noch überbieten zu wollen – indem sie einfach von der Bildfläche verschwinden. Als Opposition haben sie der SPD vollständig das Feld überlassen – und konnten bei der Bürgermeisterkandidaten-Kür auch nur noch hinterher hecheln. Nachdem die Teamschule sich zum Erfolgsmodell mausert, die städtische Beteiligung an den Stadtwerken Ennigerloh-Telgte-Oelde eingestielt ist, mehr Geld für Flüchtlingsarbeit im Haushalt eingestellt wurde und ein Fracking-Gegner sich auf dem Marsch ins Rathaus befindet – da bleiben den Grünen nur noch wenige Themen. Und auch da schaffen sie es nicht, diese in die Öffentlichkeit zu bringen.

Unsere Team-Prognose: Das schlechte Wahlergebnis der Grünen wird die Ursache dafür sein, dass sich die CDU noch einmal als Mehrheitsfraktion im Rathaus behaupten kann.

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