Fürsorgliche Wählerbeschimpfung


Der Spruch mit den Kälbern und dem Schlächter ist einer der von vielen bauernschlauen Spruchweisheiten, die der Volksmund so gerne von sich gibt. Der intellektuelle Gehalt bewegt sich da eher an der Banalitätsgrenze, außer – es geht um Wahlen.

Da muss man sich schon wundern, mit welcher Lust am fortgesetzten Blödsinn sich die Wähler ins Boxhorn jagen lassen – und wie es den Parteien immer wieder gelingt, selbst absurdeste Projekte als Wahlkampfschlager zu verkaufen. Hitverdächtig aus der letzten Bundestagswahl:

  • die CDU mit der Mütterrente, die als allgemeine Sozialleistung aus der Rentenkasse finanziert wird und die Rücklagen der Renten in wenigen Jahren auf ‚Null‘ abschmelzen wird
  • die SPD mit der 63er Rente, die zu einer verheerenden Frühverrentung führen wird, die den Fachkräftemangel noch verschärfen wird
  • die CSU mit ihrem Unsinns-Maut für Ausländer, die schon jetzt als juristischer Zombie wohl nur Verfassungsanwälte glücklich machen wird, da sie keinerlei rechtliche Grundlagen besitzt.

In Drensteinfurt haben wir da den Drogeriemarkt. Der ist aber kein Zombie, sondern eher ein politischer Vampir, der gleich mehrfach zu Saugattacken eingesetzt wird. Da wäre zum einen die FDP, die dringend ein Thema braucht, um ihr Dahinsiechen im Politspektrum noch hinauszuzögern. Und weil in der Todesnot jedes Mittel recht ist, wird halt der Drogeriemarkt als Wahlstimmenabsauger missbraucht. Die gleiche Motivation treibt auch die SPD um, die um jede Stimme ringen muss, um die Mehrheit der CDU zu brechen. Und da die Sozialdemokraten immer wieder gerne in unreflektierten Fortschrittsglauben zurück fallen, halten diese den Bau eines ‚Rössmann‘ für die größte politische Tat seit der Einführung des Frauenwahlrechts.

Die Nebenwirkungen eines solchen Vampirangriffs sind dabei verheerend, wird doch dem Wähler vor dem Absaugen der Wahlstimme der Verstand benebelt. Denn die gleichen Personen, denen eine Einkaufsgelegenheit auf der grünen Wiese quasi ein unveräußerliches Menschenrecht darstellt, beklagen sich über eine öde Innenstadt und malen den Tod des Drensteinfurter Stadtkerns an die Wand. Man muss schon viel Nordsturm intus haben, um so einen Widerspruch in einen einzigen Schädel zu bekommen.

Besonders in den Hintern getreten von dieser Diskussion dürften sich all die Menschen fühlen, die sich seit Jahren darum bemühen, mehr Leben in die Stadt zu holen – sei es im Gewerbeverein, beim Kultursommer oder in anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten, bei denen sie sich mit ihren Projekten um die Stadt Drensteinfurt verdient gemacht haben.

Der Drogeriemarkt auf der grünen Wiese löst dabei nicht ein strukturelles Problem in Drensteinfurt. Denn an Geld mangelt es der Kommune nicht – sie gehört zu den wohlhabendsten in NRW, was insbesondere den überdurchschnittlich hohen Einkommen der Stewwerter zu verdanken ist. Ganz im Gegenteil wird der ‚Rössmann‘ die Axt an die zarte Pflanze ‚Innenstadtbelebung‘ legen – und die Ödnis um den Marktplatz wird sich abseits von einigen Festivitäten auf Dauer verfestigen. Drensteinfurts Zukunft als Schlafstadt wäre damit in Asphalt und Beton gegossen.

Und so ist die Sache doch ganz einfach, wenn man die Alternativen nüchtern betrachtet: Wer eine Drensteinfurter Schlafstadt mit großflächigem Parkraum und Einkaufszentren am Stadtrand haben will, der wählt eben SPD und FDP. Zusätzlich gibt es eine verödetet Innenstadt, die dann prima mit Fahrrad und Rollator erreichbar wäre. Wer dagegen auch um den Marktplatz herum einkaufen möchte und seine Hoffnung auf eine lebendige Innenstadt noch nicht ganz hat fahren lassen, der sollte seine Stimme der CDU geben. Dafür müsste er allerdings ein Stück Bequemlichkeit und Geld opfern, denn Lebenskultur in der Innenstadt ist nicht umsonst zu haben.

Und damit wären wir beim Kernproblem – den Kälbern bzw. Wählern. Ganz im Trend der Egoistenrepublik, die sich von der Allgemeinwohlverpflichtung verabschiedet, liegt auch die Einwohnerschaft von Drensteinfurt. Die kurzsichtige Ich-Orientierung, die kein Wissen über Nachhaltigkeit kennt, will natürlich den Drogeriemarkt und das Drive-In-Shopping. Und wenn man dann 2016 in Münster beim Italiener mit dem Auto vorgefahren ist, kann man ja auch wunderbar zwischen Antipasti uns Pasta ablästern – über die blöden Kommunalpolitiker, die es nicht schaffen, eine vernünftige Gaststätte oder ein Hotel in die Innenstadt zu bekommen.

PS:

Hallo, Ihr Grünen – noch im Winterschlaf? Nein, wir wollten Euch nicht aufwecken. Die Bären tollen schon auf der Wiese, die Auferstehung wurde auch schon abgefeiert, und da dachten wir …
Ach so, ihr wartet noch auf eine Eingebung durch den Heiligen Geist. Na, dann wollen wir auch nicht weiter stören mit der Bitte um eine inhaltliche Stellungnahme.

 

 

 

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Drensteinfurt - Kreis Warendorf veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s