Außer Kontrolle


Wer einmal erfahren möchte, was ‚Fracking‘ im Münsterland so bedeutet – dem empfehlen wir vom Autorenkollektiv Klaus Wallenstein einen Ausflug ins nördliche Münsterland, genauer nach Epe bei Gronau. Dort sind innerhalb weniger Tage bis zu 200.000 l Öl aus einem unterirdischen Salzkammerlager ausgelaufen – und der Ausfluss konnte bis heute nicht gestoppt werden!

Was hat das mit Fracking zu tun? Da sind zwei Punkte interessant:

  • Bei der Entsorgung von Fracking-Produktionsabfällen ist immer wieder von ‚Müllverklappung in den Untergrund‘ die Rede. Ähnliches geschah auch bei Gronau – mit dem Unterschied, dass keine giftigen Frack-Abfälle sondern giftiges Erdöl in den Untergrund gepresst wurde.
  • Die Technik von betonierten Bohrlöchern wird sowohl bei der Erdöl-Verklappung als auch beim Fracking eingesetzt.

Dirk Jansen vom BUND hält das ganze Lagerungsverfahren für eine tickende Zeitbombe und bezieht sich dabei ausdrücklich auch auf die Gas-Lagerung:

„Es gibt keine Technologie die dauerhaft völlig sicher ist. … Das Restrisiko ist nicht zu beziffern.“

Wie hilflos die Experten vor diesem Unfall stehen, macht allein die Aussage deutlich, dass sich die Verantwortlichen vor Ort schon über ein Austrittsvolumen von ’nur‘ 20 l Öl pro Stunde freuen. Allein der Sanierungsaufwand wird dabei in ‚Jahren‘ geschätzt. Und dabei wird nicht davon ausgegangen das alle Schäden beseitigt werden können.

Als von Fachkenntnissen unbelasteter Normalbürger kann man sich da schon mal die Frage stellen, warum die Experten im Industrieland NRW von Bezirksregierung und Geologischem Dienst diesen Unfall nicht in den Griff bekommen? Dazu hilft es, die Aussagen der Experten in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Trotz regelmäßiger und vorgeschriebener Untersuchungen ist es zu dem Unfall gekommen. Eine Untersuchung der unterirdischen Verrohrung  ist extrem schwierig. Ein aktuell einsetzbares Verfahren existiert nicht. Eine zusätzliche Bohrung in 220 Meter Tiefe soll nun Klarheit bringen. Das Bergamt Arnsberg betont, dass seit 1974 im Zyklus von drei Jahren der Betrieb des unterirdischen Lagers immer neu genehmigt wurde. Fazit der Experten: „Wir werden tagtäglich schlauer!“

Wer sich nun an das Event-Horizon-Unglück im Golf von Mexiko erinnert fühlt und dabei die Gesichter der unfähigen Ingenieure und Manager von Shell vor Augen hat, der ist auf der richtigen Fährte und hat seinen gesunden Menschenverstand noch nicht völlig ausgeschaltet. Seit 40 Jahren ist diese Lagerung genehmigt, und es existiert kein Verfahren, wie ein Leck im Untergrund geschlossen werden kann? Noch schlimmer, es gibt noch nicht einmal ein Verfahren, wie dieses überhaupt zeitnah aufgespürt werden könnte!

Eine Behörde, die von sich behauptet, alles richtig gemacht zu haben, muss nun über neue Anforderungen nachdenken, wenn es zum ersten Unfall kommt? Und beim zweiten Unfall? Muss man dann bei der Bezirksregierung wieder von vorne anfangen?

Was der Geologische Dienst und die Bezirksregierung in Arnsberg immer wieder vergessen: Es geht hier nicht um eine Spielzeugwelt zwischen Märklin-Eisenbahnschienen. Hier wird unsere einzige und nicht austauschbare Erde verseucht in einem Maße, dass es nicht mehr zu reparieren ist. Die technikgläubige Verantwortungslosigkeit lässt die Experten und Behörden volles Risiko spielen – mit den Menschen und der Umwelt im Münsterland.

Und genau diese Experten und Behörden sollen in den nächsten Monaten über Fracking im Münsterland entscheiden. Gnade uns Gott, wenn wir denen nicht in den Arm fallen und die Gasbohrer stoppen!

PS:

Welche Überlegungen gibt es zum Stichwort Entschädigung? SGW-Geschäftsführer Dr. Manfred Inkmann: „Wir haben noch kein Verfahren entwickelt.“ Aber: „Ich kann Ihnen versichern, dass wir großzügig entschädigen werden. Die SGW ist in der Region nicht bekannt als Unternehmen, das kleinlich entschädigt.“
aus WN Online

Wer glaubt, keine Fehler zu machen, braucht auch nicht über Entschädigungen nachzudenken.

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