And the Winner is … Democracy!


Das legendäre Champions-League-Finale Manchester United gegen Bayern München mit den zwei Toren für die Engländer in der Nachspielzeit war keineswegs spannender und spektakulärer als die gestrige Drensteinfurter Wahl. Es war ein historischer Abend mit Erdrutschen, Glasbruch, Machtverlust und einem Überraschungssieger. Und ein Grund, mit dem Blog noch einmal in die Verlängerung zu gehen. Aber alles der Reihe nach.

Bürgermeister-Duell Kopf an Kopf

Spätestens als gegen 19:30 nach vier ausgezählten Stimmbezirken. Grawunder und Berlage die exakt gleiche Stimmenzahl aufwiesen, war auch dem letzten Besucher klar, dass es heute auf jedes Kreuz ankommen wird. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein Trend unverkannbar: Die FDP würde herbe Verluste zu verkraften haben, die CDU würde ebenfalls verlieren, die SPD enorm zulkegen und die Grünen ihe Ergebnis halten. Und Grawunder? Als er in der Realschule eintraf, wurde er noch mit schüchternem Ablaus begrüßt. Doch als die deutlichen Ergebnisse aus Drensteinfurt den Vorsprung Berlages in Rinkerode und Walstedde stets mehr als wett machten, brach immer wieder Jubel in rot-grünen Lager aus. Die FDP hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits in eine stille Trauerecke verkrochen, die Union befand sich angesichts der massiven Verluste in der Schockstarre. Und als Grawunder im Wahlberzirk an der Kardinal-von-Galen-Grundschule gar mit 30 Prozent Vorsprung ins Ziel ging, lies ein Unions-Anhänger vor Schreck eine Bierflasche. Der erste Glasbruch an diesen Abend, dem später noch ein zweiter folgen sollte.

Wo bleibt Ameke?

Nach 16 von 17 ausgezählten Wahlbezirken hatte Grawunder einen Vorsprung von 200 Stimmen herausgearbeitet – es fehlte nur noch Ameke. Und damit begann die Nervenschlacht mit Thrillerpotential. Die Aula der Realschule war übervoll, die Lager hat sich in ihre Ecken zurückgezogen, und nur noch die Zahlen aus dem Süden fehlten für das endgültige Ergebnis. Klar war inzwischen, dass die SPD die Grünen überflügelt hatte mit teilweise spektakulären Zuwächsen. Die Union hatte Ergebnis für Ergebnis zusehen müssen, wie ihr die Macht aus den Händen glitt. Nur die Entscheidung über das zukünftige Stadtoberhaupt hing an den fehlenden 700 Wahlberechtigten. Die Ratlosigkeit und Anspannung der Menschen war in den Gesichtern abzulesen, als auch nach über 30 Minuten Wartezeit gegen 21:30 immer noch kein Endergebnis vorlag. Die Bierflaschen auf den Stehtischen waren bereits eng aneinander gerückt, als plötzlich neue Zahlen auf die Leinwand geworfen wurden: nur die Kreitagswahl-Ergenisse aus Ameke. Und als dann der Wahlleiter verkündete, dass nun die Stimmen für die Bürgermeisterwahl ausgezählt würden, brandete fassungsloses Stöhnen auf.

Die Ortsvorsitzende von Grünen und SPD hatten sich um Grawunder gesammelt, die CDU scharte sich um Berlage. Immer wieder taxierten sich die beiden Lager mit Blicken in der Hoffnung, aus den Gesten oder Minen der Konkurrenz eine Ahnung von den fehlenden Zahlen zu erhalten. Doch es dauert bis 22:10, als der Wahlleiter zum vorletzten Mal ein Ergebnis verkündete. Ameke hatte sich entschieden – und für Berlage gestimmt. Doch der Vorsprung von Grawunder war zu groß. Mit 120 Stimmen Vorsprung erhielt die Stadt Drensteinfurt ihren ersten frei gewählten Bürgermeister, der nicht von der Union gestellt wurde. Und als das Grawunder-Lager die Sensation begriffen hatte, ging untern dem lauten Jubel und den zahlreichen Umarmungen zum zweiten Mal an diesem Abend eine Flasche zu Boden.

Jetzt geht es los!

Seit gestern Nacht ist Drensteinfurt eine andere Stadt. Die Demokratie hat gewonnen – auf ganzer Linie. Der Wandel und die Debatte haben in Stewwert einzug gehalten – und die Bürgerinnen und Bürger haben sich als herausragende Demokraten erwiesen. Die Wahlbeteiligung war exquisit, die Entscheidung des Wahlvolks weise, da allen Politikerinnen gestern klar gemacht wurde: „Wir Bürgerinnen und Bürger sind der Souverän. Und wir entscheiden, wem wir Macht erteilen. Und wem wir sie wieder weg nehmen. Es gibt keine Pfründe und Erbhöfe mehr. Wenn Ihr unsere Stimmen wollt, dann müßt Ihr uns mit Eurer Arbeit überzeugen.“

Und wir vom Autorenkollektiv Klaus Wallenstein verabschieden uns nun endgültig mit einem letzen Gruß an eine gereifte Kommune: „Misson erfüllt – Demokratie gewagt und gesiegt!“

 

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2 Antworten zu And the Winner is … Democracy!

  1. Bürger aus Ameke schreibt:

    Ameke, nicht Amecke

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  2. kw52 schreibt:

    Danke – haben wir verbessert!

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