Unser.Projekt.Europa


Europa befindet sich in einem schlechten Zustand. Die Briten wollen (teilweise) die EU verlassen, Flüchtlinge verschärfen die wirtschaftliche Krise in Italien und Griechenland, ein unbarmherziges Grenzregime lässt tausende von Menschen im Mittelmeer sterben, osteuropäische Staaten rutschen langsam ab in ein totalitäres Regime, europafeindliche Parteien bestimmen den politischen Alltag. Es sieht so aus, als wäre das gesamte politische System nur noch mit sich selbst beschäftigt und als gäbe es in ganz Europa keine Antwort auf die Frage ‚Wie weiter?‘.

In ganz Europa, im gesamten politischen System? Nein, zwei kleine Orte aus der Mitte des Kontinents – das französische Ingré und unser unscheinbares Drensteinfurt – haben sich ein Herz gefasst und ein Zeichen gesetzt: Beide Kommunen haben beschlossen, eine deutsch-französische Städtepartnerschaft miteinander einzugehen.

Nun gut, man mag das für ein wenig altbacken halten angesichts der Tatsache, dass heute dank der sozialen Medien Kontakte über Kontinente hinweg mit einem Fingerschnipsen weitergepflegt werden können. Darüber hinaus hat in Deutschland das Interesse an dem Nachbarland auf der anderen Rhein-Seite nachgelassen – was sich nicht zuletzt in immer weniger Französisch-Klassen in deutschen Schulen niederschlug. Ganz zu schweigen von der Skepsis und den Hass auf Europa, der sich ja nicht nur in den Erfolgen von Brexit, AfD und Front National niederschlägt, während sich in Übergriffen auf Ausländer und Einwanderer Wut und Hass entladen.

Einerseits. Auf der anderen Seite sehen wir insbesondere eine Jugend, die in England nun erschrocken aufwacht und feststellt, dass der Brexit ihnen nicht nur ihr geliebtes europäisches Leben zwischen London, Berlin, Paris und Barcelona zerstört, sondern ihnen auch noch die Zukunft geraubt hat. Und wir lesen den Journalisten Nils Minkmar, der unverblümt schreibt:

„Wenn wir die EU zerstören, sind wir die dümmste Generation aller Zeiten.“

Wir sehen, wie nach dem Brexit-Votum die nationalistischen Raufbolde Farage und Johnson ihre Lügen einkassieren und die politische Bühne verlassen.

Vor diesem Hintergrund ist die Begründung der Städtepartnerschaft zwischen Ingré und Drensteinfurt eine geradezu weise und zukunftsorientierte Entscheidung. Denn die deutsch-französische Freundschaft ist nicht nur ein weltweit bestauntes Projekt des Friedens zwischen ehemaligen Erbfeinden. Sie ist auch der Motor des weltweit bewunderten Projekts der Einigung Europas.

So rücken angesichts der Chaostage in London, die von den planlosen Brexiteers herbeigeführt worden sind, eine Frage immer mehr ins Zentrum:

“Where does this stop?”
Frage von Barak Obama an Donald Trump, dessen Angst- und Hass-Kampagne die USA spaltet

Die Antwort darauf gibt uns die Geschichte und sie ist da klar und eindeutig: Wenn wir den Faschisten Europas nicht die Stirn bieten, die den Kontinent in eine Vielzahl xenophober Staaten zerlegen wollen, endet dies in Schützengräben, Maschinengewehrfeuer und Gaskammern.

Den Begründern der Europäischen Einigung war das Versagen der Politik, der Massenmord in den KZs und das Massaker des Krieges noch gegenwärtig – auch daher haben sie die Beethoven-Vertonung von Schillers ‚An die Freude‘ zur Europa-Hymne erkoren. Denn in der Ode wird ja unter anderem der Liebe und der Freundschaft ein idealistisches Denkmal gesetzt:

„Wem der große Wurf gelungen
Eines Freundes Freund zu seyn,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!“

Wenn wir also für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in Europa einstehen wollen in diesen Zeiten, sind kräftige Symbole erforderlich, die sich der Angst und dem Hass entgegenstellen. Wie die Partnerschaft zwischen Ingré und Drensteinfurt. Und vielleicht werden nach dem Endspiel in Paris auch mal ein paar Europafahnen sichtbar im Straßenbild – damit unsere Kinder eine bessere Zukunft haben. Und vielleicht spielen wir am 03. Oktober bei den Festakten zum Nationalfeiertag auch mal die Europa-Hymne – damit wir Bürgerinnen und Bürger die Mahnung zur Freundschaft zwischen den Nationen niemals vergessen.

Denn:

  • Europa gehört uns – es ist zu wichtig, um es Politikerinnen und Politikern zu überlassen
  • Europa ist ein ständiges Projekt – es muss jeden Tag neu darum gekämpft werden
  • Europa ist ein Leuchtturm, der nie erlöschen darf – er bringt das Licht der Hoffnung in die Krisengebiete der Welt
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