Von Ego-Shootern und Narziss-Vandalen


Wer sich mit Ekel, Angst und Wut von 2016 abwendet, dem wird beim Blick auf den Kalender rasch klar: 2017 wird in Punkto ‚Angriff auf Freiheit und Demokratie‘ in nichts hinter dem vergangenen Jahr zurück stehen. Der Grund ist offensichtlich: Die selbstverliebten Linken haben die liberale Gesellschaft an die Wand gefahren.

Die wichtigsten Termine für 2017 werfen bereits lange, dunkle Schatten voraus:

  • Machtergreifung von Trump in den USA im Januar
  • Parlamentswahlen in Italien im Februar
  • Parlamentswahlen in den Niederlanden im März
  • Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April
  • Bundestagswahlen im September in Deutschland

Es braucht nicht viel pessimistische Phantasie um zu diagnostizieren, dass die demokratische Welt 2017 am autoritären Abgrund entlang taumeln wird. Selbst der SPIEGEL gibt in seiner Jahreserstausgabe schon kämpferische Durchhalteparolen aus:

Unsere Art zu leben, die Pressefreiheit, viele andere Freiheiten und die Demokratien des Westens stehen auf dem Spiel.
Klaus Brinkbäumer, SPIEGEL, 1/2017

Wie es zu diesem Vollcrash der liberalen Gesellschaft kommen konnte – dazu hat Jakob Augstein in einem brillianten Artikel auf SPIEGEL Online sehr schön zusammengefasst:

Politiker und Publizisten arbeiten auch in der liberalen Gesellschaft nicht für alle Menschen – sondern nur für ihre Klientel. Die Abgehängten gehören nicht dazu.

Dieses vernichtende Urteil für die ‚Elite‘ der liberalen demokratischen Gesellschaft lässt sich im Handumdrehen erweitern: bezieht sich Augstein lediglich auf Berufspolitiker und Journalisten in Bezug auf den Gerechtigkeits-Diskurs, dehnt Bente Scheller in der taz die Kritik auf das gesamte linke Gesellschaftsspektrum aus – in Bezug auf das moralische Versagen beim Syrien-Krieg:

In den Kommentarspalten der Artikel tönen aber diejenigen, die lieber irrlichternden Verschwörungstheoretikern und der Propaganda des Regimes und seiner Unterstützer glauben. So können sie das der eigenen Tatenlosigkeit geschuldete schlechte Gewissen ignorieren.

So ist bei der sogenannten ‚Friedensbewegung‘ schlichtweg Alltags-Rassismus – oder wer mit dieser Keule nicht umgehen kann: Gruppen-Egoismus – festzustellen: Die Massen setzen sich eben nur in Bewegung, wenn das eigenen Volk (Atomrüstung in den 1980er Jahren) oder die eigenen Soldaten (Irak-Kriege) bedroht sind. Wird wie in Syrien ein ganzen Volk abgeschlachtet, verstauben die weißen Bettlaken weiter in der Aussteuerkammer des modernen Biedermeier.

Ende 2016 muss man daher knochenhart Bilanz ziehen und festhalten: Was bisher als liberale Grundhaltung auf den Marktplatz der Meinungen getragen wurde, entpuppte sich in den Stahlgewittern des Jahres 2016 als Schönwetterfloskeln einer auf Narzissmus getrimmten Bourgeoisie.

Ja – so unangenehm es klingen mag: Man muss AfD und Trump längst dankbar dafür sein, dass diese den Finger in die eitrigen Wundmale unserer Gesellschaft gedrückt haben. In dem abfließenden Sekret finden sich alle Zutaten für eine veritable Infektion, die unserer geschwächten Demokratie den Todesstoß versetzen könnte:

  • Ein pseudo-liberaler Bauchnabel-Diskurs, der alle ökonomischen Grundtatsachen ignoriert und die Menschen wesentlich zu Objekten globalisierter Waren- und Machtströme degradiert
  • Eine unhistorische und lügenhaft-romatische Friedens-Entpolitisierung, die sich auf Basis von Lügenpropaganda jedweder Klarsicht beraubt hat und somit ganze Kriegsregionen den Massenschlächtern preisgibt.
  • Eine pathologische Wahrnehmungs-Indifferenz bei gleichzeitiger Unfähigkeit, in dem anschwellenden Bocksgesang autoritärer Systeme den Trompetenstoß gegen die Grundfesten der Demokratie zu erkennen und dementsprechend zu reagieren.

Demokratie zerfällt nicht. Sie wird von denen Preis gegeben, die diese eigentlich verteidigen müssten. Das ist die Lehre, die Deutschland aus der Weimarer Republik zu ziehen und über die Jahrhunderte weiter zu geben hätte. Doch kein Saeculum später scheitern wir an dieser historischen Aufgabe.

Fazit: Das Autorenkollektiv Klaus Wallenstein blickt pessimistisch auf die kommenden zwölf Monate. Ein Leuchtstreifen an gesellschaftlicher Vernunft ist leider nicht zu erkennen. Angesichts der Lage darf man gespannt sein, was am 31.12.2017 noch an Leuchtkörpern bereit steht.

„In ganz Europa gehen die Lichter aus, wir werden es nicht mehr erleben, daß sie angezündet werden.“
Außenminister Edward Grey beim Blick aus seinem Büro auf den Londoner St. James Park, in dem gerade die Laternen angezündet wurden, angesichts des beginnenden Ersten Weltkriegs.

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