Vom Abschaum zum Mainstream


Traditionell gedenkt Polen am 01. September dem Überfall Deutschlands und erinnert damit an den Beginn des 2. Weltkriegs. Es ist nicht überliefert, wie die Führung der AfD den diesjährigen Gedenktag beging – und vielleicht will man das auch gar nicht mehr wissen.

Für historische Grusel-Moment reicht es derzeit aus, jene Schlagzeilen, welche die AfD allein in dieser Wahlkampfwoche produziert hat, Revue passieren zu lassen:

Angesicht dieser Vorfälle muss man sich vor dem Hintergrund der hohen Zustimmung der AfD – aktuell Platz 3 in den Umfragen – die Frage stellen, warum dieser Irrsinn nicht schärfer attackiert wird. Erhellend dazu ist der Artikel von Mariam Lau in der Zeit, in der auch eine persönliche Betrachtung der AfD durch die Journalistin einfließt:

„Ich bin im Iran geboren, mein Vater ist Iraner. Über die AfD zu berichten macht mir Vergnügen, weil ich konservatives Denken interessant finde und der Meinung bin, es bräuchte eine intelligente konservative Opposition im Bundestag. Es darf auch gern was Wirtschaftsliberales sein. Es war ein Unding, dass sich während der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 nicht eine einzige kritische Stimme im Plenarsaal erhob. “
Mariam Lau, ZEIT Online, 30.September 2017

Wir von Autorenkollektiv Klaus Wallenstein stellen überraschend fest: Eine Steigerung des absurden Dramas ‚Biedermann und die Brandstifter‚ ist tatsächlich möglich: Aktuell schaut die Mitte der Gesellschaft nicht nur tatenlos zu, wie die AfD Benzinkanister ins Haus geschleppt. Deutschland wird aktuell mit Benzin übergossen und das zünden eine Streichholz wird im Bürgerturm als ‚intelligente Lösung‘ in Betracht gezogen.

Man muss Lau einfach entgegen halten, dass der Faschist und ehemalige Trump-Berater Stephen Bannon nur unter dem Aspekt intelligent ist, wenn man Konzentrationslager für eine bedenkenswerte Problemlösung hält. Für normale Menschen ist er ein Krimineller. Die ZEIT-Redakteurin macht mit ihrer Aussage deutlich, wie sehr sich der menschenverachtende Diskurs der AfD bis tief hinein in das Bürgertum gefressen hat. Das Klima in diesem Land wird von faschistischem Hass vergiftet ohne dass von bürgerlich-konservativer Seite dagegen gehalten wird.

Lau steht in ihrer naiv-konservativen Haltung geradezu prototypisch für ein Bürgertum in Deutschland, das zwischen der Angst vor einer ungewissen Zukunft und dem Hass gegen Links und Grün oszilliert. Für dieses irrationale Gedankenkonstrukt wird verzweifelt nach einem intellektuellen Unterbau gesucht. Doch dieser kann natürlich in einer freien und aufgeklärten Gesellschaft wie in Deutschland nicht gefunden werden. Kein Wunder also, dass sich die AfD Wahlkampfhilfe aus den USA sucht. Die dortige Demokratie ist in den letzten Jahren weder durch Aufklärung noch Rationalität aufgefallen.

Die Union hat ja inzwischen den Kampf gegen Links nicht nur als Wahlkampfschlager entdeckt. Die Konservativen arbeiten u.a. in Sachsen-Anhalt an einem historischen Brückenschlag hin zum Faschismus – welcher ja Adolf Hitler bei den Ermächtigungsgesetzen an die Macht gebracht hat.

Am Ende ihres Artikel versucht Lau dann doch noch, die Kurve zu bekommen, macht aber eigentlich ihre Haltung noch unerträglicher:

„Als Mariam L. eines Tages aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Bett in eine Ausländerin verwandelt. Eine Partei, die in den Leuten so etwas auslöst, ist keine intelligente konservative Opposition.“
Mariam Lau, ZEIT Online, 30.September 2017

Was hier durchscheint, ist nicht nur die Larmoyanz einer von ihren ‚Geschwistern im Geiste‘ enttäuschten Konservativen, die auch als Mensch mit Migrationshintergrund verzweifelt einen Platz im ‚System Deutschland‘ sucht. Es ist auch deutlich die persönliche Opferrolle heraus zu lesen, in die sich Rechte gerne hinein begeben, um eine Rechtfertigung für einen Angriff auf das ‚System‘ zu liefern. Es bleibt als bittere Erkenntnis, dass Lau weder auf den Gedanken kommt, sich konsequent gegen den Rechtsruck in Deutschland zu stellen, noch ist sie in der Lage, über ihre persönliche Betroffenheit hinaus die historische Gefahr für die Gesellschaft einzuordnen.

‚Biedermann und Brandstifter‘ ist in dem Kontext der Bundestagswahl 2017 nur noch ein verharmlosendes Theaterstück, das weit hinter der grausamen AfD-Realität zurück bleibt.

„Democracy Dies in Darkness“ ist der aktuelle Slogan der Washington Post. Dunkelheit hat inzwischen auch die bürgerlichen Medien wie die ZEIT ergriffen. Und mit der AfD im nächsten Deutschen Bundestag wird dieses Land weiter in eine Dämmerung hinab sinken.

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